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Home Das war... Ferdinand Raimund
geb. 01. Juni 1790 (Wien)
gest. 05. September 1836 (Pottenstein, NÖ)
Raimund ist ein Kind der Wiener Vorstadt Mariahilf, der Sohn des
Drechslermeisters Ferdinand Jakob Raimann. Früh verlor er die Eltern
und kam zu einem Konditor in die Lehre. Als sogenannt "Numero",
Süßwaren seines Meisters in den Pausen feilbietend, macht er die erste
Bekanntschaft mit dem Theater. Er entsagt seinem Handwerk, um
Schauspieler zu werden, durchläuft die heilsame Schule der Provinz und
landet 1814 am Theater in der Josefstadt in Wien. Aufmerksamkeit eringt
er zwar nicht, wie erhofft, im tragischen Fach, aber als Komiker. Seit
1817 Mitglied, später Regisseur, schließlich Direktor des Theaters in
der Leopoldstadt, wird er einer der beliebtesten Volksschauspieler,
bewundert wegen der Natürlichkeit seiner Darstellung, der
wohlausgewogenen Mischung von Humor und Gemüt. Seine ersten Stücke
haben ihre Wurzel im Bestreben des Schauspielers, für sich und die
Kollegen dankbare Rollen zu schaffen. Bald aber wird Raimund seiner
Berufung zum Dichter inne. Bittere Erfahrung im persönlichen und
beruflichen Leben verstärken in seinen letzten Lebensjahren, ungeachtet
der Anerkennung, die er auch außerhalb seiner Vaterstadt als
Schauspieler und Autor fand, den melancholischen Zug in seinem Wesen,
bis er, das Opfer einer Zwangsvorstellung, sich als
Sechsundvierzigjähriger das Leben nimmt.
Wien ist stets ein besonderer Nährboden des Volkstheaters gewesen. Eine
charakteristische Gattung, der auch Mozart-Schikaneders Zauberflöte
angehört, hatte sich mit dem Zaubermärchen, der Zauberposse ausgeprägt.
Sowohl aus der Tradition des prunkvollen Barocktheaters als auch aus
dem Geiste der launenbewegten Stegreifkomödie geboren, in den
eingestreuten Liedern, Duetten und Chören Restbestände der Oper
wahrend, hatte dieses Zauberspiel niemals die unmittelbare Beziehung
zum Volke verloren, war zum eigentlichen Lokalstück geworden. Dieses
Wiener Lokalstück, an dessen Entwicklung bisher nur für den Tag
schaffende Praktiker des Theaters beteiligt gewesen waren, hat
Ferdinand Raimunds dichterisches Genie, dem sich ebenbürtige
schauspielerische Gaben verbanden, zu überzeitlicher, allgemein
menschlicher Bedeutung erhoben. Zugleich fand in seinen Dichtungen die
bürgerliche Kultur des Wiener Biedermeier eine sehr wesentliche
künstlerische Widerspiegelung. Geist- und Wahlverwandte Raimunds auf
anderen Kunstgebieten sind die Maler Fürich und Waldmüller, unter den
Komponisten Josef Lanner, der erste Meister des Wiener Walzers.
Raimunds dramatisches Schaffen umfaßt acht Stücke. Das erste, "Der
Barometermacher auf der Zauberinsel" (1823), war ursprünglich ein
Entwurf des Possendichters Meisl. Da dieser damit nicht recht vorankam,
bearbeitete Raimund den schon vorhandenen ersten Akt und fügte den
zweiten aus eigener Feder hinzu. Durch den Erfolg ermuntert, ließ er
1824 den "Diamant des Geisterkönigs" folgen. Hatte sich der
Barometermacher noch mehr oder minder in den Bahnen des üblichen
Zauberpossenschemas bewegt, so ließ das zweite Werk in der
Treffsicherheit der Charakterbezeichnung, im poetischen Grundgedanken
bereits spezifisch Raimundsche Züge hervortreten. Diese verdichten sich
in dem Originalzaubermärchen "Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der
Bauer als Millionär" (1826) zum ersten Meisterwerk des Dichters. Wenn
sich die anschließenden Schöpfungen "Die gefesselte Phantasie" (1826)
und "Moisasurs Zauberfluch" (1827) nicht recht durchzusetzen
vermochten, so war der Dichter nicht ganz schuldlos daran. Den Autor,
der bisher unbefangen aus der Fülle seiner Natur geschaffen hatte,
erfaßte literarischer Bildungsehrgeiz, die Sehnsucht nach der
tragischen Muse. Diese ließ sich schwer vereinen mit den Milieu und den
Ansprüchen der Wiener Volks- und Vorstadtbühne. Erst in "Alpenkönig und
Menschenfeind" (1828) gelang der erstrebte Ausgleich. Enttäuschung
hingegen bereitete dem Dichter die frostige Aufnahme der
"Unheilbringenden Krone" (1829), eines von hohem Wollen beseelten
"original-tragisch-komischen Zauberspiels", das ebenfalls an jenem
schon "Die gefesselte Phantasie" und "Moisasurs Zauberfluch"
bedrohenden ungelösten Zwiespalt heterogener Stilelemente litt. Dafür
wurde Raimunds letztes Werk und künstlerisches Vermächtnis "Der
Verschwender" (1833) zu einem um so nachhaltigeren Erfolg. Das Wiener
Volksstück hatte nunmehr endgültig seinen "Klassiker" gefunden.
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