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Home Das war... Das war 2003
Romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang in drei Aufzügen
Erste Aufführung:
10. November 1826 in Wien
Ort und Zeit:
Die Handlung beginnt am Morgen des ersten Tages und endigt am Abend des zweiten, spielt teils im Feenreich, teils auf der Erde.
Hauptpersonen:
Lakrimosa, eine mächtige Fee - Bustorius, Zauberer aus Warasdin - Ajaxerle, Magier aus Donaueschingen - Die Zufriedenheit - Die Jugend - Das hohe Alter - Der Neid - Der Hass - Tophan, Kammerdiener des Hasses - Fortunatus Wurzel, ehemals Waldbauer, jetzt Millionär - Lottchen, seine Ziehtochter - Lorenz, ehemals Kuhhirt bei Wurzel, jetzt sein Kammerdiener - Karl Schilf, ein armer Fischer - Musensohn, Schmeichelfeld, Afterling, Wurzels Zechbrüder - Geister, Zauberer, Bediente, Volk.
Handlung:
Die Fee Lakrimosa hatte sich in den Direktor einer Seiltänzergesellschaft verliebt und diesem ein Mägdlein geboren. Nach dem Tod ihres Gatten ins Geisterreich zurückgekehrt, erzog sie das Kind in großem Reichtum und in der Absicht, es dereinst dem Sohne der Feenkönigin zu vermählen. Diese Vermessenheit bestraft die Feenkönigin durch den wohltätigen Fluch, dass Lakrimosa ihre Feenmacht erst dann zurückgewinnen könne, wenn das Mädchen, allem Reichtum abhold, die Frau eines armen Mannes, der ihre erste Liebe sein muss, geworden sei. Die Verbindung hat vor dem 18. Geburtstage der Braut stattzufinden. Zu diesem Zwecke hat Lakrimosa ihre Tochter dem Waldbauern Fortunatus Wurzel mit dem Auftrag übergeben, Lottchen einfach zu erziehen und ihr vor Ablauf der bestimmten Frist einen entsprechenden Gatten zu geben. Inzwischen hat der Neid, der Fürst der Galle, ein Auge auf Lakrimosa geworfen und rächt sich für die Abweisung dadurch, dass er Wurzel großen Reichtum in die Hände spielt und dessen Herz verhärtet. Der Bauer will von einer Verbindung Lottchens mit dem Jugendgespielen, dem Fischer Karl Schilf, nichts mehr wissen und wünscht einen reichen Schwiegersohn.
Therese Krones als "Jugend" im "Bauer als Millionär" 1826
Wenige Tage vor Lottchens 18. Geburtstag hat Lakrimosa befreundete Geister und Magier in ihren Feenpalast geladen und berichtet diesen von ihren Sorgen und den Ränken des Neides. Man sagt ihr Hilfe zu, besonders der schwäbische Magier Ajaxerle, Lakrimosas Vetter, will dafür wirken, dass Lottchen und Karl ein Paar werden. Im Hause ihres Pflegevaters beklagt Lottchen im Gespräch mit Lorenz die Härte Wurzels. Hat er doch dem armen Karl das Haus verboten; allein durch Ajaxerles Vermittlung kommt es, während der Hausherr ausgegangen ist, zu einer Begegnung der beiden Liebenden. Überraschend kehrt Wurzel zurück, und Ajaxerle, der sich als schwäbischer Schneckenhändler ausgibt, spielt den Brautwerber für Lottchen. Wurzel weist ihn ab und versteigt sich zu dem Schwur, nicht eher solle aus dieser Verbindung etwas werden, bis er so morsch und grau aussehe, dass er auf den Aschenmarkt hinausgehöre. Ajaxerle nimmt Wurzel beim Wort. Dieser, aufs höchste gereizt, wirft Lottchen, die "angenommene Kreatur", aus dem Haus, aber die Geister der Nacht nehmen sich der Verstoßenen liebreich an.
Christian Futterknecht und Rita Nikodim 2003.
Bei der Zufriedenheit hat Lottchen durch Geistermacht Zuflucht gefunden, während Wurzel mit seinen Zechgenossen feiert. Nachdem diese gegangen, wird der Besuch eines fremden jungen Herrn gemeldet. Es ist die Jugend, die erschienen ist, um unter den Klängen des "Brüderlein fein ... einmal muss geschieden sein !" Wurzel die Gefolgschaft zu kündigen. Kaum ist sie gegangen, als es am hellen Tage Nacht wird und ein zweiter Gast, das hohe Alter, Einlass begehrt. Wurzel will zwar die Türen verschließen lassen, aber ungehindert fliegt der unwillkommene Besuch auf einem Leiterwolkenwagen herein. Höhnisch macht das Alter sein Opfer darauf aufmerksam, dass nunmehr alles anders werde und Wurzel seine Lebensgewohnheiten gründlich ändern müsse.Der mit allen Gebrechen des Alters geschlagene Wurzel verflucht den Neid und seinen Reichtum und wünscht sich in seine Waldheimat zurück. Schon sieht er sich vor seiner halbzerfallenen Hütte und wir von seinem Kammerdiener Lorenz, der in Wurzels ehemaligen Kuhhirten zurückverwandelt wurde, mit Prügeln bedroht, vom Neid und Hass verhöhnt. Nach Wurzels Verschwinden teilt der Neid dem Hasse mit, dass er ihm die weitere Ausführung der Rache überlassen wolle. Der Hass ersinnt einen teuflischen Plan zum Verderben Karls. Man lockt diesen in eine Zauberkegelbahn, wo demjenigen, der alle Neun wirft, ein ungemessene Reichtümer verbürgender Brillantring winkt, dem Fehlenden aber der Tod gewiss ist. Karl, der glaubt, der Reichtum ebne ihm den Weg zu Lottchens Hand, wagt kühn das Spiel und erkegelt den Ring.
Die Diener des Hasses haben für Karl einen prächtigen Palast erbaut, denn solange dieser den Ring am Finger trägt, zwingt er sie zur Fron. Lottchen und die Zufriedenheit, durch Geisterbotschaft von dem Vorgefallenen unterrichtet, erscheinen, um Karl zu bestimmten, den unheilvollen Reif vom Finger zu streifen. Zunächst verwehrt Tophan den Eintritt in den Palast, als aber der Hass persönlich erscheint und, von des hilfreichen Amors Pfeil geritzt, Gefallen an den hübschen Mädchen findet, lässt man sie ein. Als Aschenmann, die Butte auf dem Buckel, die Aschenkrücke in der Hand, naht Wurzel und gerät mit der Zufriedenheit, die er für die Köchin des Hauses hält, ins Gespräch. Der ehemalige Millionär ist ein anderer geworden, hat die Nichtigkeit des Besitzes und menschlichen Glückstrebens eingesehen und fasst seine Erkenntnisse in dem ergreifenden "Aschenlied" zusammen. Danach bekennt Ajaxerle der Zufriedenheit sein Versäumnis: einem unzeitigen Nickerchen des schwäbischen Magiers ist es zuzuschreiben, dass Karl in einem unbewachten Augenblick in die Schlingen des Hasses geraten ist. Nun aber wollen die Geister alles tun, um im letzten Augenblick die Sache zum Guten zu wenden. Durch gehäufte Zauberkünste gelingt es endlich, Karl , der sich anfangs heftig geweigert hatte, zur Ablegung des Ringes zu bestimmen. Damit ist die Macht des Hasses gebrochen, der Fischer wieder ein armer Mann, die Bedingung des Feenspruches erfüllt. Lakrimosa, wieder im Besitz ihrer Geistermacht, beschenkt das Brautpaar mit einem Fischergut. Wurzel aber, von Ajaxerle schalkhaft an seinen Schwur gemahnt, ist aus dem Aschenmann wieder ein stattlicher Waldbauer geworden und stimmt den Lobpreis der Zufriedenheit an.
Während Raimund in seinen dramatischen Erstling sich noch auf bestimmte Vorlagen und Muster gestützt hatte, wurde er im Bauer als Millionär auch zum Erfinder des Stoffes, für dem ihm das Zeitgeschehen mit seinen starken gesellschaftlichen Umschichtungen lebendigen Anschauungsunterricht bot. Mag man auch in der für den damaligen Geschmack unumgänglichen Feen- und Zauberwelt der Rahmenhandlung und der durch sie bedingten "Maschinenkomödie" noch manches Erkünstelte, dramaturgisch Unzulängliche finden, so treten diese Schwächen zurück vor dem prachtvoll realen Kern des Geschehens, der in Figur und Geschick des Fortunatus Wurzel, Raimunds eigener Rolle, liegt. Sein Los wird zum besonders eindringlichen Sinnbild irdischer Vergänglichkeit, gestaltet durch denkbar einfache Mittel. Jene Szenen, in denen die Jugend Abschied von Wurzel nimmt und das Alter gespenstischen Einzug hält , sind Verlebendigungen dichterischer Visionen, für die sich im Drama des 19. Jahrhunderts wenig Ebenbürtiges findet. Denn während andere Figuren wie Zufriedenheit, Neid oder Hass mehr oder minder im luftleeren Raum der Allegorie verharren, gewinnen Jungend und Alter deswegen so elementares Leben, weil sie Vorgänge in Wurzels eigenem Inneren widerspiegeln. Raimund mag gefühlt haben, wie nah er damit die Zauberposse an tragische Bezirke heranrückte, und so griff er auf der anderen Seite zu manchen "täppischen Kleinigkeiten", damit das Publikum das Stück nicht zu ernsthaft finde. Man lässt sich dieses krause Rankenwerk gerne gefallen um der dichterischen Subsantz willen, die aus Wurzels Schicksal spricht. Die Musik zu diesem Stück schrieb Joseph Drechsler (1782 - 1852).
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